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Den Erstübersetzer ersetzen: die Revision eines übersetzten
Textes, ohne die Ausgangssprache „zu kennen“
Ende der 80er Jahre war die Hoffnung bezüglich maschineller
Übersetzung (MÜ), d.h. bezüglich einer komplett von einer
Software übernommenen Übersetzung sehr hoch und weit verbreitet.
Und natürlich ist hier nicht die Rede von computergestützter
Übersetzung mit Translation Memory-Systemen (TM-Systemen), in
welcher Trados, gefolgt von Transit, Déjà Vu, Star und anderen
Produkten der Marktführer ist. Die computergestützte Übersetzung
(TM) wird Tag für Tag von einem Großteil der professionellen
Übersetzer genutzt.
Nach ungefähr fünfzehn Jahren, in denen sich die technische
Revolution verselbstständigt hat (von informatisierter
Buchführung bis hin zu Internettechnologien), sollte man sich
fragen wo nun das Benutzungsniveau und die Verlässlichkeit der
maschinellen Übersetzung steht. Und vor allen Dingen zu welchen
Ergebnissen man im Vergleich zu den ursprünglichen und
grundsätzlichen Erwartungen man heute kommen kann. Kann ein
Erstübersetzer wegfallen, so dass der Übersetzer den von der
Software übersetzten Text nur noch überprüfen und evtl.
korrigieren muss?
Die doppelte Konferenz, die Teleport am 9. März 2005 zum Thema
maschinelle Übersetzung in Brüssel organisiert hat, war eine
gute Gelegenheit Antworten auf diese Fragen zu finden. Die
beiden Redner, Dominique Orban von der Firma REVER und Joseph
Bonet von der Europäischen

Die Progression der Seitenanzahl der von der Europäischen
Union mit Hilfe von maschineller Übersetzung übersetzten Seiten
ist zustandbeschreibend.
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Kommission haben ihrerseits jeweils die Themen „Linguistische
Datenverarbeitung“ und „Machine Translation in a production
environment – Das Beispiel der Europäischen Kommission“
vorgestellt. In kurzer Zusammenfassung (siehe Kasten) haben sie
folgende Antworten gegeben.
Die Verwendung von maschineller Übersetzung ist immer weiter
verbreitet, aber ihre Verlässlichkeit stagniert
Die Anwendungsbereiche der maschinellen Übersetzung haben sich
auf bemerkenswerte Weise vervielfältigt, so dass sogar das
Konzept einer neuen Industrie entstanden ist: die „Linguistische
Datenverarbeitung“ (laut Definition von Dominique Orban „die
Gesamtheit aller Forschungsaktivitäten, der Entwicklung und der
Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen, welche auf der
automatischen Verarbeitung von Sprache basieren“). Die
Nachforschungen der Brüsseler Agentur Vandijk, welche seit mehr
als 20 Jahren Übersetzungsvorgänge, vor allem für die EU
analysiert, wurden im Detail vorgestellt. Auf diese Art und
Weise konnten neun Marktbereiche bestimmt werden:
- Dokument-Management
- Inhalts-Management
- Produktion und Verlag
- Linguistische Ressourcen
- Intelligente Suchmaschinen
- e-Business
- Übersetzungen
- e-Learning
- sprechende, multimodale Benutzeroberflächen
Von der Verwendung für die Bedienung von Maschinen und von
Autos, bis hin zur juristischen Übersetzung der öffentlichen
Institutionen kann man die Bandbreite der Marktnachfrage ablesen.
Aber leider muss man eine niveaubezogene relative Stagnation der
Leistung der maschinellen Übersetzung konstatieren. Der
Fortschritt in diesem Bereich ist seit den 80ern belanglos.
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Der Fortschritt ist nämlich an das Feedback
derjenigen Übersetzer, die maschinell übersetzte Texte
korrigieren gebunden. Die künstliche Intelligenz der Maschinen
wird durch Korrektur, d.h. durch das Hinzufügen von
semantischen, orthosyntaktischen und lexikalischen
Verbesserungen in der Software bereichert.
Privatunternehmer können sich die Forschung in maschineller
Übersetzung nicht erlauben
Es klingt vielleicht paradox, aber der Lernprozess der „machine
translation“ folgt den gleichen pädagogischen Prinzipien wie die
Entwicklung der menschlichen Intelligenz und des menschlichen
Wissens: Man muss korrigieren und wiederholen, das ist alles.
Aber dies wiederum erfordert eine große Investition an Zeit und
an Arbeit in das Feedback (siehe Kasten), was wiederum in Bezug
auf die Personalkosten sehr kostspielig ist. Welches private
Unternehmen ist in der Lage die dementsprechenden Investitionen
im R&D-Bereich zu tätigen?
Im Laufe der letzten zwanzig Jahre, gab es eine Woge von mehr
oder wenig naiven und ehrlichen Versuchen, neue Systeme für
maschinelle Übersetzung zu entwickeln. Alle diese Versuche haben
jedoch, wie so vieles, ein jähes Ende gefunden, so dass die
Weiterentwicklung eingestellt wurde. Man denke nur an die
zahlreichen Initiativen der Universitäten, Bundesländer,
Regionen und der Unternehmen aus dem sprachlichen Sektor, welche
sich allesamt auf dieses Abenteuer eingelassen haben.
Während die Nachfrage unaufhörlich steigt, versinkt das Angebot
(seitens der linguistischen Datenverarbeitung) in finanziellen
Schwierigkeiten, insbesondere in Schwierigkeiten, die aus den
angesprochenen beträchtlichen Investitionen resultierenden.
Die Hoffnung, die wir in die maschinelle Übersetzung setzen
bleibt, aber seine Anwendung bleibt (noch) zu sehr
eingeschränkt.
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