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Das Verhandlungsdolmetschen
Wenn bei einer kleinen Sitzung (bis zu zwanzig Personen), einer geführten Fabrikbesichtigung oder einem Treffen im kleinen Kreis gedolmetscht werden soll und es dabei nicht mehr als zwei zu dolmetschende Sprachen gibt - im Allgemeinen nur eine -, kann man dafür einen oder zwei Verhandlungsdolmetscher engagieren.
In diesem Fall übersetzt der Dolmetscher sowohl in die eine, als auch in die andere Sprache; zudem nimmt er direkt an dem Treffen teil, um im engen Kontakt mit dem Sitzungsverantwortlichen die Abwicklung des Treffens zu gewährleisten.
Normalerweise geht das Dolmetschen sogar während des Empfangs oder des Frühstücks weiter. Bei dieser Art der Versammlung stellt es sich nicht selten als notwendig heraus, ein Dokument auf der Stelle mündlich zu übersetzen. Der Dolmetscher macht also schnell eine sogenannte Stehgreifübersetzung und "liest" dabei den in der Ausgangssprache verfassten Text direkt in der Zielsprache. Für Texte mit mehr als 1000 Wörtern (etwa 100 Zeilen) wird eine vorherige Übersetzung nötig.
Es sollte festgehalten werden, dass der Verhandlungsdolmetscher eine zentrale und sehr wichtige Position bei dem Treffen einnimmt; schließlich "deckt" er mit seiner Übersetzung die Dolmetschung in zwei Sprachen ab.
Auf diese Weise wird er zur rechten Hand des Sitzungspräsidenten und nimmt im vorliegenden Fall auch an der Ausarbeitung des Sitzungsprotokolls teil. Es gilt zu bemerken, dass der Vortrag der Redakteure/Übersetzer für diese Aufgabe und - vor allem - für die schriftlichen Übersetzungen unerlässlich ist. Die geschriebene Sprache verlangt nämlich immer eine formale Perfektion oder eine definitive Univozität, die der Schrift zu eigen sind (scripta manent!).
Wenn es vom Dolmetscher verlangt wird, sich den Sinn der Rede spontan zu merken und ihn schnell in einer anderen Sprache wiederzugeben, kommuniziert sein Übersetzungskollege nur mit der Schriftsprache, der er sich inkognito als demütiger Diener zur Verfügung stellt.
Trotz ihrer formalen und sichtbaren Affinitäten, könnte man also sagen, dass der erste die Reflexe und Leistungsfähigkeiten eines Squash-Spielers besitzen und der zweite über die "Präzision" und Eleganz eines Geigenbauers verfügen muss, der ausreichend Zeit hat. (Die Zeit, die für das Dolmetschen nötig ist, muss mit 20 oder 30 multipliziert werden!).

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